Gesetzt und geurteilt
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Die Schildkröte bleibt stehen: Abschied vom Bundesschatzbrief

Auf den Internetseiten der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland wirbt die Schildkröte Günther Schild noch für die Bundesschatzbriefe – „steigende Renditen. Bei absoluter Sicherheit“. Aber nun steht fest: Der Klassiker unter den Wertpapieren wird aus den Depots von Privatanlegern verschwinden. Denn die Bundesrepublik will sich künftig ausschließlich am Kapitalmarkt finanzieren und steigt zum Jahresende aus dem Geschäft mit Privatkunden aus.

Bundesschatzbriefe und andere Schätze vor dem Ende

Ab 2013 werde der Bund keine neuen Serien von Bundesschatzbriefen und Ausgaben von Finanzierungsschätzen des Bundes mehr auflegen. Der Vertrieb von Bundesobligationen und der Tagesanleihe über die Finanzagentur werde gleichzeitig eingestellt, sagte ein Sprecher der Finanzagentur des Bundes der Financial Times Deutschland. Schuldbuchkonten werden bei Fälligkeit aufgelöst, neue nur noch bis Jahresende eröffnet.

Verbraucherschützer und Finanzexperten kritisieren den Schritt gleichermaßen. Und in der Tat: Sowohl der Strategiewechsel als auch der Zeitpunkt dafür sind gelinde gesagt schlecht gewählt. Bundesschätzchen galten bis dato als eine, wenn nicht die einzige Möglichkeit, Geld sicher anzulegen – zu einigermaßen attraktiven Zinsen. Zudem musste nicht sonderlich viel Geld auf Seite gelegt werden, die Mindestanlage belief sich auf 50 Euro. Ein weiterer Pluspunkt: keine Gebühren für Kauf, Wiederanlage und Rückzahlung. Die Finanzagentur verwaltete und verwahrte kostenlos das angesparte Vermögen. Eine Erfolgsgeschichte – und eine gute Anlage in unsicheren Zeiten.

Teure Alternative Kapitalanlage

Viele Anleger werden über den Rausschmiss nicht begeistert sein, zumal sie sich vor kurzem noch aufwendig bei der Finanzagentur legitimieren mussten, um den Anforderungen des Geldwäschegesetzes nachzukommen. Ihnen wird die Möglichkeit genommen, kostengünstig und mit wenig Geld etwas für die eigene Vorsorge zu tun. Der Gewinner hierbei: die Finanzwirtschaft. Denn sie vertreibt künftig die börsennotierten Bundeswertpapiere und Staatsanleihen. Und verdient natürlich an Kauf- und Depotgebühren.

Übrigens: Es verwundert dann doch, dass ein solch einschneidender Schritt offenbar auch die Finanzagentur überraschend trifft. Denn dort heißt es in einer ersten Stellungnahme: „Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen eine erste Orientierung geben zu können. Ausführliche Informationen werden wir in den nächsten Tagen in einem separaten Kundenschreiben und über eine Aktualisierung auf dieser Webseite zur Verfügung stellen. Bis dahin bitten wir, von eventuellen Detailfragen Abstand zu nehmen.“ Guter Stil sieht anders aus. Gute Geldanlage demnächst wohl auch.

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